GassiProblem

Segeln mit Hund, aber wie löst man das Gassi-Problem?

Wahrscheinlich hat sich fast jeder Hundebesitzer schon einmal mit dieser oder ähnlichen Fragen auseinandergesetzt. Schließlich ist es ein Unterschied, ob man nur Tagestörns unternimmt oder mit Hunden auf Langfahrt geht. Auch wir haben lange mit uns gehadert, das Internet nach Lösung durchsucht, vieles angedacht und ebenso vieles wieder verworfen.

Wir können hier nur von unseren Erfahrungen sprechen. Und ja, jeder Hund ist anders und hat individuelle Bedürfnisse. Dies merken wir schon bei uns an Bord. 

Don

Don, seines Zeichens ein älterer Deutsch Drahthaar, will uns nur gefallen und alles richtig machen. Was dazu führt, dass er sich manchmal selbst im Wege steht.

Das Gegenteil ist unser Cairn Terrier, Monthy, der macht einfach, ohne viel darüber nachzudenken, welche Konsequenzen sein Handeln hat.

Unterschiedlicher könnten die beiden nicht sein.

Bis zu unserem Start im Jahre 2021 haben wir lediglich Tagestörns mit Monthy und Don unternommen. Meistens sind wir am frühen Nachmittag nach einer ausgiebigen Gassirunde gestartet, um dann spätestens am nächsten Mittag am Zielort anzukommen. So konnten wir unsere Törns länger ausdehnen.

Wir hatten die Hoffnung, die Hunde würden schon irgendwann „pieseln“, wenn der Druck groß genug war. Dem war aber leider nicht so. Beide haben über 20 Stunden ausgehalten, um sich dann auf der Gassirunde im Hafen zu erleichtern. Es war schrecklich. Wussten wir doch, dass wir spätestens in der Biskaya mit 20 Stunden „Anhalten“ nicht auskommen würden.

Ein Plan musste her

Da Hunde in der Regel nicht ihr eigenes „Nest“ beschmutzen, war klar, hier mussten wir als Erstes ansetzen. Und so haben wir erst einmal unsere Gassigänge zu Hause etwas geändert. Sind wir sonst morgens mit Don und Monthy zu einem Spaziergang gestartet, haben wir die beiden jetzt morgens mit der Aufforderung, ihr Geschäft zu erledigen, in den Garten geschickt. Hier war es uns wichtig, feste Kommandos für das jeweilige Geschäft zu festigen.

Und siehe da, nach einiger Zeit, hat selbst Don seine Geschäfte auf Kommando erledigt. Für Monthy war das von Anfang an weniger ein Problem. Schritt 1 war geschafft.

Jetzt mussten wir dieses Handeln nur noch auf das Boot adaptieren. Im Netz haben wir von „Pieselmatten“ und ähnlichem gelesen. Für uns war das keine Option, da wir uns nicht vorstellen konnten, wie wir diese „Matte“ unterwegs ordentlich säubern sollten. Hinzu kam noch, dass Don sich nicht an den Stellen entleert, wo Monthy vorher hingemacht hat und umgekehrt. Da wären also schon einmal 2 Matten fällig gewesen.

Uns war es lieber, die Hunde suchen sich auf dem Boot ihre eigenen Plätze. Da wir uns beim Kauf der Blackfield gegen ein Teakdeck entschieden hatten, sollte die Reinigung kein Problem sein.

Der Durchbruch

Tja, theoretisch hatten wir den 1. Schritt gemacht. Nur praktisch haben Don und Monthy das anders gesehen. Selbst am Ankerplatz wurde gewartet, bis wir irgendwann das Dinghy klargemacht und übergesetzt haben. Es war schnell klar, so wird das nichts. 

Wir mussten ihnen verständlich machen, die Gassirunde wird an Bord gemacht. Und so habe ich mich entschlossen, genau dies umzusetzen. Ich habe ihnen das Halsband und die Leine angelegt und bin mit ihnen auf dem Boot eine Gassirunde gegangen. Immer schön mit dem Kommando „Pippi machen“ vom Heck zum Bug und wieder zurück. Nachdem wir über Nacht am Ankerplatz verblieben sind, ohne für die Gassirunde überzusetzen, hatte mein Unterfangen am nächsten Tag Erfolg. Wow! Was für ein Gefühl.

Das „kleine“ Geschäft hat schon einmal funktioniert.

In der nächsten Zeit haben wir die Phasen vor Anker dazu benutzt, um das Gelernte zu trainieren.

Erst habe ich die Gassirunden noch mit Leine und Halsband absolviert, später haben wir sie dann auch immer wieder aufs Vorschiff mit dem Kommando „Pippi machen“ geschickt.

Schnell hat Don seinen Lieblingsplatz ausgesucht. Er pieselt fast immer auf der Steuerbordseite in Höhe der Wanten. Manchmal schafft er es sogar, direkt über Bord zu pinkeln.

Monthy ist da etwas einfacher gestrickt. Er läuft nach vorn und pieselt irgendwo hin, meistens direkt am Bug.

Leider waren beide Hunde nicht bereit, ihr großes Geschäft an Bord zu erledigen. Also war es letztlich nur ein halber Gewinn.

Mittelmeer oder Karibik?

Für uns war es immer klar, die Hunde entscheiden über den weiteren Verlauf unserer Reise. Sollte es mit dem großen Geschäft nicht funktionieren, würden wir weiter ins Mittelmeer fahren. Schließlich wollten wir die beiden nicht mehr stressen als nötig.

Bei dem letzten Gespräch mit unserer Tierärztin macht diese mir Hoffnung. Hunde können ihren Darm wohl nicht kontrollieren. Irgendwann werden sie sich entleeren. Das können die Tiere gar nicht verhindern. Wir sollten uns hier nicht so viel Sorgen machen. Vor einer längeren Überfahrt sollten wir ihnen weniger zu essen geben, damit der Darm nicht so belastet ist. Für Notfälle hat sie mir aber auch Klistiere mitgegeben.

Okay. Damit konnten wir arbeiten.

Biskaya wir kommen!

Was wir bis dahin noch nicht probiert hatten, war die Gassirunde auf See. Bisher hatten wir immer nur am Ankerplatz trainiert.

Jetzt hieß es 3 Tage See. Natürlich empfing uns die Biskaya etwas ruppig. Einfach kann jeder. Uns war es wichtig, dass Don und Monthy ein positives Gefühl mit der Gassirunde verbinden. Und so haben wir kurzerhand beigedreht. Dadurch lag die Blackfield relativ ruhig. Die Hunde bekamen nacheinander die Halsbänder und Leinen umgelegt und ich bin mit ihnen zu ihren „Pieselplätzen“ gegangen.

Mit dem kleinen Monthy war dies gar kein Problem. Er kann bei uns sehr komfortable zum Bug gehen. Don ist da etwas anders. Er ist ängstlicher und dadurch ziemlich steif in seinen Bewegungen. Mit etwas Zuspruch hat aber auch er sich getraut, bei Wellengang zum Bug zu gehen. Für ihn war es wichtig, dass ich ganz nahe bei ihm war. Aber beide Hunde haben verhältnismäßig schnell gepieselt. Was für eine Erleichterung!

Leider haben beide kein großes Geschäft gemacht.

Am nächsten Tag hatten wir mit dem Wind Glück. Die Blackfield lag ziemlich stabil, sodass wir unsere Gassirunde ohne Beidrehen absolvieren konnten. Also wie gehabt Halsbänder und Leinen an und dann mit den entsprechenden Kommandos nach vorn. Und wir konnten es kaum glauben, ohne Vorwarnung tätigte Monthy sein großes Geschäft. Bingo! 

Nur Don ließ auf sich warten. Er machte zwar Andeutungen, aber letztlich wollte oder konnte er nicht. Dazu muss man sagen, dass er auch an Land ein sehr aufwendiges Prozedere hat, bevor er sich endlich entleert. Er muss mindestens zehnmal hin- und herlaufen, um dann mit geknickten Rücken herumzutänzeln. Tänzeln ist das richtige Wort. Es dauert immer eine gefühlte Ewigkeit, bis es so weit ist. Tja, dieses Prozedere jetzt auf einem schaukelnden Schiff umzusetzen, ist für alle Beteiligten nicht ganz so einfach und kostet Nerven.

Aber so viel kann ich schon mal vorwegnehmen, letztlich hat es auch bei Don funktioniert. Ich kann gar nicht beschreiben, wie erleichtert wir waren.

Karibik ist gebucht!

Um Monthy und Don das Gefühl zu geben, für uns ist es kein Problem, sich auf dem Boot zu erleichtern, haben wir sie darin bestärkt, sich auch während des Hafenaufenthalts an Bord zu erleichtern. Uns war wichtig, dass diese Möglichkeit für beide Normalität ist. 

Bei unserer 6-tägigen Überfahrt von Baiona nach La Palma waren die Gassirunden gar kein Problem. Zweimal am Tag, morgens und bevor es dunkel wurde, sind wir jeweils auf der Luvseite zum Gassi machen gegangen. Bei den damaligen Wetter- und Wellengegebenheiten gar kein Problem.

Erst als wir die Kanaren Richtung Kap Verde verlassen hatten, haben wir gemerkt, dass wir die Gassirunden noch etwas überarbeiten mussten. Mit zunehmender Atlantikdünung wurde es zu gefährlich, mit Don und Monthy zum Bug zu laufen. Eine andere Lösung musste her.

Da die Blackfield über ein offenes Heck verfügt, war die einfachsten und sicherste Lösung, dass die Hunde sich hinten im Cockpit entleerten. Dies war mitten auf dem Atlantik nicht immer ganz einfach, weil weder Don noch Monthy ihr großes Geschäft auf die gleiche Stelle machen, wo sie vorher eingepinselt haben. D. h. es wurde erst gepieselt, dann mit der Pütz Wasser darüber und dann der nächste Akt … Zusätzlich musste Don noch sein „Prozedere“ durchführen. Dem kamen wir nach, indem er mehrfach um den Cockpittisch lief … Einfach kann jeder.  

Aber oh Wunder, es hat super funktioniert. Wir hatten auf der ganzen Atlantiküberfahrt überhaupt keine Probleme.

FAZIT

  • Wir haben uns im Vorfeld viel zu verrückt gemacht. Vieles hat sich von ganz allein geregelt.

  • Unser 5-Schritte Programm hat sich bewährt:
    1. Schritt: Feste Kommandos für die „Geschäfte“
    2. Schritt: „Nest“ darf beschmutzt werden.
    3. Schritt: Aussitzen, auch wenn es schwerfällt, am besten am Ankerplatz
    4. Schritt: Auch auf dem Boot mit Halsband und Leine Gassi gehen.
    5. Schritt: Immer wieder trainieren und viel loben!

2 Comments

  • Nadine

    Toll geschrieben, so haben wir es auch gemacht und das warten bis es dann klappt kann schon sehr nervenaufreibend sein. Da man immer Sorge hat, das es nicht klappt! Aber irgendwann muss jeder mal und durchhalten bringt hier den Erfolg!
    Schöner Blog für alle die sich diese Frage stellen!
    Liebe Grüße und euch weiterhin viel Spaß

    Für uns wäre noch sehr interessant wie ihr das mit Hunden in der Karibik löst. Wie wollen 2024 los und hören immer wieder, dass es nicht überall erlaubt ist. Wäre toll, wenn ihr hier ausführlich berichten könntet. Danke

    • Carsten Spräner

      Das Thema kommt in einem der nächsten Artikel. Aber soviel vorweg: Es ist (fast) alles machbar. Es erfordert allerdings etwas mehr Aufwand. Die Corona-Regeln sind dagegen eine Lappalie. Tobago Keys (deswegen fahren viele in die Karibik) gehen aber nicht.

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